Mut zu Veränderung – oder was mein Garten mit Change Management zu tun hat

Aktualisiert: 30. Juli 2020

Alltägliche Erfahrungen als wichtige Ressource für herausfordernde Projekte


Manchmal schieben wir Veränderungen vor uns her – gerade in Organisationen befürchten wir mit Ängsten und Widerständen konfrontiert zu werden und in der Folge möglicherweise auch Einbrüche in Qualität und Quantität der Arbeitsergebnisse zu erleben. Die Befürchtung geht darauf zurück, dass viele von uns schon solche Erfahrungen gemacht haben.


Aber ich bin sicher, Sie haben in vielen Lebensbereichen schon gute Erfahrungen mit Veränderung gemacht und können davon auch im Arbeitskontext profitieren. Vielleicht ist es eine Berufskrankheit, dass ich häufig an wichtige Faktoren für erfolgreiche Veränderung erinnert werde, wenn ich in meinem Garten arbeite. Mein Garten ist klein, die Erkenntnisse aus meiner Arbeit darin sind groß. Aus genau diesem Grund möchte ich Sie heute daran teilhaben lassen:

Gartenarbeit als Bild für Veränderungsmanagement, Andrea Kron von kronkonsult aktiviert Ihre Ressourcen
Aus dem Alltag für das Gestalten von Veränderung lernen

Projekt 1: Der Rasen oder die Erkenntnis, dass Ausdauer belohnt wird

In diesem Jahr habe ich meinen Rasen vertikutiert. Per Hand – eine unglaubliche Arbeit. Im Ergebnis habe ich 6 Säcke voll Moos entfernt. Viel Rasen blieb nicht mehr übrig. Also hieß es nachsäen: Mit der Menge an Saatgut und Bodenaktivator, die ich auf meiner kleinen Fläche verteilt habe, hätte man wahrscheinlich ein komplettes Fußballstadion nachsäen können, schließlich wollte ich, dass es auf jeden Fall funktioniert. Mit großer Disziplin habe ich täglich morgens und abends gegossen, um ein gutes Klima für Wachstum zu schaffen. An einigen Stellen lachte mich 14 Tage später sattes kräftiges Grün an, andere waren immer nach kahl. Deshalb hieß es nachsäen und erneut täglich gießen. Da ich aber nicht nur für den Rasen, sondern auch das noch vorhandene Unkraut ideale Wachstumsbedingungen geschaffen hatte, verbrachte ich einige Stunden kniend auf dem Rasen, um den ungewünschten Begleiterscheinungen Herr zu werden. Wieder einige Wochen später hatte ich es geschafft: an allen Stellen wuchs nun neuer Rasen.


Erfahrung Nummer 1: Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedlich viel Zeit für Veränderung.


Erfahrung Nummer 2: Veränderung erfolgt Schritt für Schritt und Ausdauer wird belohnt.

Projekt 2: Schattenstauden oder die Einsicht, dass nicht alles überall funktioniert

Als ich anfing zu gärtnern deckte ich mich mit vielen Blumen ein und pflanzte wild drauf los. Jede Blume bekam den Platz, an dem sie mir besonders gut gefallen würde. Dumm nur, dass mein Garten sonnige und schattige Abschnitte hat. Deshalb war es einigen Pflanzen zu heiß, anderen zu kalt, und so stand ich nach einem Jahr wieder vor einer neuen Pflanzaktion. Ich fing mit dem schattigen Abschnitt an und deckte mich mit geeigneten Schattenstauden ein. Da ich endlich eine üppige Blüte haben wollte, setzte ich die Pflanzen schön eng aneinander. Zu dicht, wie sich herausstellte. Erst als ich den Pflanzen genügend Platz gab und sie gut pflegte, wuchsen sie richtig kräftig und entfalteten ihre volle Pracht.


Erfahrung Nummer 3: Jede*r fühlt sich unter anderen Bedingungen wohl. Um das volle Potenzial zu entfalten, bedarf es des richtigen Umfelds.


Erfahrung Nummer 4: Die Bedingungen für Wachstum sind ausreichend Freiraum und gezielte Unterstützung – sowohl was Menschen als auch Projekte anbelangt.

Projekt 3: Sommerblüher oder die Lehre, dass mehr vom Selben auch nicht hilft

Wer gärtnert kennt sie: die Blumen-Mischungen, die ein buntes Beet mit Blüte von Mai bis November versprechen. Einmal ausgesät erfreut man sich den ganzen Sommer an natürlicher Vielfalt. Ein Traum! Vorausgesetzt, die Samen gehen auf. Unbeirrt von den Misserfolgen der letzten Jahre habe ich in diesem Jahr erneut eine solche Mischung gekauft, sie genau nach Anleitung ausgebracht und gepflegt. Das Ergebnis: Nichts. Klaffende Leere, gut gegossene braune Erde. Hierbei handelt es sich um den sonnigen Teil des Gartens. Also fuhr ich erneut zur Gärtnerei und erwarb herrliche, sonnenliebende Stauden. Schön sieht es aus und ich frage mich, warum ich den Schritt nicht schon vor zwei Jahren gegangen bin…


Erfahrung Nummer 5: Flexibilität im Vorgehen ist der Schlüssel zum Erfolg.


Jetzt sind Sie dran.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Vielleicht aus dem eigenen Garten? Oder aus anderen Freizeitbeschäftigungen wie dem Sport oder dem Musizieren?


Falls ja, wie geht es Ihnen damit, wenn Sie solche Parallelen sehen und Vergleiche ziehen?

Vielleicht stimmt es Sie mit Blick auf die nächste Veränderung ähnlich optimistisch wie mich: Vermutlich erkennen Sie, dass Sie auf vielfältige Erfahrungen und Ressourcen aus anderen Lebensbereichen zurückgreifen können. Bei mir wachsen außerdem Geduld und Verständnis für die Menschen, Teams und Organisationen, die an der Veränderung mitarbeiten. Wenn schon mein Garten so viel Zuwendung bedarf, dann brauchen auch Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen die richtige Unterstützung.


Entscheider müssen also keine Bedenken haben, wenn sie Veränderungen angehen wollen. Wenn sie ihre Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen einbringen, hilft ihnen das sicher bei ihrem nächsten Veränderungsvorhaben.


Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, gibt es noch eine weitere Erkenntnis: in meinem Garten hatte ich viel Zeit, um auszuprobieren. Kleine Misserfolge hatten keine großen Auswirkungen. Statt selbst einen Garten-Ratgeber nach dem anderen zu durchforsten und nach dem Prinzip des "Try and Error" zu arbeiten, hätte ich besser früher mit jemandem sprechen sollen, der sich damit auskennt. Mittlerweile sucht mein Blick in der Gärtnerei nicht zuerst nach der schönsten, tollsten Blume, sondern nach dem/der Gärtner*in. Und dann schildere ich die Ausgangsbedingungen und was ich mir zukünftig wünsche.


Erfahrung Nummer 6: Professionelle Unterstützung macht die Sache leichter.

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