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Konflikte im Team: Warum Mediation mehr kann, als Streit zu schlichten

Autorenbild: Andrea Kron
Andrea Kron
vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Gute Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass es keine Konflikte gibt. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen.

Manchmal beginnt es ganz unscheinbar. Zwei Menschen arbeiten engagiert an derselben Aufgabe. Beide möchten gute Ergebnisse erzielen, beide investieren Zeit und Energie. Doch irgendwann häufen sich die Missverständnisse. Absprachen werden unterschiedlich interpretiert, Erwartungen bleiben unausgesprochen, Zuständigkeiten sind nicht eindeutig geklärt.


Was zunächst eine sachliche Meinungsverschiedenheit war, wird zunehmend persönlich.

Die eine Person fühlt sich übergangen. Die andere hat den Eindruck, ständig kritisiert zu werden. Beide bemühen sich vielleicht sogar noch mehr – und geraten dabei immer häufiger aneinander.


Solche Dynamiken begegnen uns in Teams und Organisationen immer wieder. Und sie zeigen: Konflikte entstehen nicht zwangsläufig, weil Menschen nicht zusammenarbeiten wollen. Manchmal entstehen sie gerade dort, wo Menschen viel investieren, Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was richtig und wichtig ist.


Drei lächelnde Kolleg:innen sprechen am Tisch in einem hellen Büro; die Frau in Gelb gestikuliert.
Offene Gespräche ermöglichen Bewegung in Situationen, die zuvor als aussichtslos angesehen werden. (Bild KI-generiert)

Wenn aus ungeklärten Erwartungen persönliche Verletzungen werden


Konflikte haben häufig mehrere Ebenen.


Auf der sichtbaren Ebene geht es um Aufgaben, Entscheidungen, Verantwortlichkeiten oder unterschiedliche Arbeitsweisen. Darunter liegen jedoch oft Erwartungen, Bedürfnisse und Erfahrungen, die zunächst unausgesprochen bleiben.


Wer entscheidet eigentlich worüber? Was darf ich von meinen Kolleg erwarten? Wessen Beitrag wird gesehen? Und was passiert, wenn ich das Gefühl habe, mit meinem Anliegen nicht gehört zu werden?


„Wer nicht gehört wird, verhält sich unerhört.“

Dieser Friedemann Schulz von Thun zugeschriebene Satz hat mich in meiner Mediatorinnen-Ausbildung besonders beeindruckt. Denn er beschreibt, wie eng das Bedürfnis, gehört und verstanden zu werden, mit unserem Verhalten in Konfliktsituationen zusammenhängen kann.


Bleiben solche Fragen ungeklärt, können sich Enttäuschungen und Verletzungen aufbauen. Mit der Zeit verändert sich dann auch der Blick auf das Gegenüber: Verhalten wird zunehmend negativ interpretiert, Gespräche werden schwieriger und die Bereitschaft, einander zuzuhören, nimmt ab.


Irgendwann geht es längst nicht mehr nur um die ursprüngliche Sache.


Gerade deshalb lohnt es sich, bei Konflikten genauer hinzuschauen. Nicht, um Schuldige zu finden, sondern um zu verstehen, was zwischen den Beteiligten geschehen ist – und was sie brauchen, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.


Konflikte als Chance: Was braucht es für gute Zusammenarbeit?


So belastend Konflikte sein können, sie machen sichtbar, was zuvor zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.


Vielleicht braucht ein Team klarere Rollen und Verantwortlichkeiten. Vielleicht müssen Erwartungen neu ausgehandelt werden. Vielleicht fehlt es an gegenseitiger Anerkennung, an Vertrauen oder an einer gemeinsamen Vorstellung davon, wie Entscheidungen getroffen werden.


Ein Konflikt ist deshalb nicht automatisch eine Chance. Gerade wenn Menschen verletzt wurden, braucht es einen geschützten Rahmen und die Bereitschaft, sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen.


Aber wenn es gelingt, die Bedürfnisse und Gefühle hinter dem Konflikt sichtbar zu machen, können daraus wichtige Impulse für die weitere Zusammenarbeit entstehen.


Was Mediation ermöglicht


Mediation ist ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur Bearbeitung von Konflikten. Eine neutrale, genauer gesagt allparteiliche, Mediatorin begleitet die Beteiligten dabei, ihre Sichtweisen, Interessen und Bedürfnisse zu klären und eigenverantwortlich tragfähige Lösungen zu entwickeln.


Sie entscheidet nicht, wer recht hat. Und sie gibt auch nicht vor, wie die Lösung aussehen muss.


Stattdessen schafft sie einen Rahmen, in dem Menschen wieder miteinander sprechen können – auch über Dinge, die im bisherigen Konfliktverlauf kaum noch ausgesprochen werden konnten.


Ein besonders berührender Moment kann dabei entstehen, wenn sich die Perspektive verändert.


Wenn jemand nicht mehr nur das Verhalten des Gegenübers sieht, das ihn verletzt oder verärgert hat, sondern auch die Bedürfnisse, Sorgen oder Beweggründe dahinter erkennt.


Wenn aus „Die andere Person macht mir das Leben schwer“ langsam ein Verständnis dafür entsteht, warum sie auf bestimmte Weise handelt.


Das bedeutet nicht, dass Verletzungen verschwinden oder plötzlich alle einer Meinung sind. Aber es kann etwas Entscheidendes verändern: Die andere Konfliktpartei wird wieder als Mensch sichtbar – nicht nur als Gegenüber im Streit.


Genau dann wird es wieder möglich, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, statt die eigene Position gegen die andere zu verteidigen.


Mediation und Teamcoaching: Zwei unterschiedliche Ansätze


Mediation und Teamcoaching können sich in ihrer Wirkung ergänzen. Sie sind jedoch nicht dasselbe.


In einer Mediation steht ein konkreter Konflikt zwischen Beteiligten im Mittelpunkt. Es geht darum, die unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen, die dahinterliegenden Interessen und Bedürfnisse zu klären und gemeinsam Vereinbarungen für den weiteren Umgang miteinander zu entwickeln.


Im Teamcoaching richtet sich der Blick auf die Zusammenarbeit des gesamten Teams. Hier können beispielsweise Rollen, Kommunikation, Vertrauen, Entscheidungsprozesse oder gemeinsame Ziele bearbeitet werden.


Ein Teamcoaching kann auch dazu beitragen, die Konfliktkompetenz eines Teams zu stärken: Wie sprechen wir Spannungen frühzeitig an? Wie gehen wir mit unterschiedlichen Meinungen um? Wie bleiben wir auch dann im Gespräch, wenn es schwierig wird?


Besteht allerdings ein verhärteter Konflikt zwischen einzelnen Beteiligten, lässt er sich nicht einfach dadurch lösen, dass das gesamte Team an seiner Zusammenarbeit arbeitet. Dann kann eine eigenständige Mediation der passende Schritt sein.


Umgekehrt können sich aus einer Mediation Erkenntnisse ergeben, die über den konkreten Konflikt hinausreichen. Vielleicht wird deutlich, dass Zuständigkeiten im Team unklar sind oder bestimmte Kommunikationsmuster immer wieder zu Spannungen führen.


Solche Themen können anschließend in einem Workshop oder einem Teamentwicklungsprozess aufgegriffen werden – ohne vertrauliche Inhalte aus der Mediation ungefragt in das Team zu tragen.


Konfliktkompetenz ist Teil guter Zusammenarbeit


Teams werden nicht dadurch stark, dass sie Konflikte vermeiden.


Sie werden stärker, wenn sie lernen, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten, Spannungen frühzeitig anzusprechen und auch in schwierigen Situationen respektvoll miteinander umzugehen.


Dafür braucht es manchmal eine Mediation, um einen konkreten Konflikt zu bearbeiten. Manchmal braucht es einen Workshop, um Rollen und Erwartungen zu klären. Und manchmal ist eine längerfristige Teamentwicklung sinnvoll, um Vertrauen und Zusammenarbeit nachhaltig zu stärken.


Entscheidend ist, genau hinzuschauen, was die Situation erfordert.


In meiner Arbeit als Beraterin, Teamcoach und Mediatorin verbinde ich die konstruktive Bearbeitung von Konflikten mit der Weiterentwicklung von Zusammenarbeit. Dabei geht es mir nicht nur darum, Lösungen für bestehende Spannungen zu finden, sondern auch darum, die Voraussetzungen für einen besseren Umgang miteinander zu schaffen.


Denn für mich gehört beides zusammen: Menschen dabei zu unterstützen, bestehende Konflikte konstruktiv zu bearbeiten – und Teams darin zu stärken, künftig besser mit Spannungen und Unterschieden umzugehen.


Gute Zusammenarbeit entsteht nicht von selbst. Aber wir können gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen.


Sie erleben Spannungen oder Konflikte in Ihrem Team oder möchten die Zusammenarbeit nachhaltig stärken?

Lassen Sie uns in einem unverbindlichen Gespräch gemeinsam klären, was Ihre Situation braucht – eine Mediation, einen Workshop oder einen Teamentwicklungsprozess.


 
 
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